Gerchsheim I

D`R GERGSA`MR WALDMICH`L

Autor: Heinrich Müller
Sprecher: Lothar Amon

Sprecherin: Friederike Kroitzsch

D`r gergsa'mr Waldmich'l

Bis zum Bau vo d`r Audobahn A 81 hoad d`r Fürschd zu Leininga in d`r Gergsa`mr un Schöafld`r G`markung Wäld`r besassa. Michael Müller – er war bei uns nur d`r Waldmich`l – gebora 1882 un hoad g`labbd bis 1965, war seid 1901 als Waldhüd`r bei d`r fürschdlich–leiningisch`n Domänav`rwaldung in Amorbach beschäfdigd.

I wäß nou, wu mier no glänni Kinn`r wara un m`r hoad damals `n Waldmich`l g`saacha, wenn`r nachmiddachs vom Wald aus hänni g`loffa ied, ham m`rn imm`r g`fröachd: „ Mich`l, was hasd`n haüd alles g`saacha? „Dann hoad`r uns Andword gaawa un z.B. g`sachd: „Siewa Haasa, zwölf Reha un `n Haufa Wildsaü! „Ob`s woahr war od`r a nied - mier wara froha un zufrieda, dass uns d`r Waldmich`l sei

G`schichdli v`rzäihld hoad.

In d`r Noachkriegsjoahra id`s öfd`r vorkumma, dass Houlz aus`n Leinischa g`schdoula worda ied – Leinisch`r hod m`r in Gergsa zum Wald vom Fürschd Leining`r g`sachd. Äämol, wu a widd`r Houlz g`schdoula worda ied, ham di Houlzdieba a Schrifddaf`l henn`rlassa, wu a amüsandes Schbrüchla druff g`schdanna ied: Sou, ihr leinische Lumba – mier ham es Houlz, un ihr habd`n Schdumba! D`r Baam id ung`fähr in än Med`r Höha abg`saachd worda. D`r Waldmich`l hoad imm`r widd`r ermidd`ld, aw`r d`r Houlzdieb id nie üw`rführd worda.

1951 hoad d`r Waldmich`l a Ehrung vom Bräsidänd des Landbezirgs Baden erhalda. In d`r jungi Bundesrebublik is`r dann schböad`r als erschd`r Gergsa`mr mid`n Bundesv`rdiensdgraüz ausgezäch`rd worda!

Der Gerchsheimer Waldmichel

Bis zum Bau der Autobahn A81 hat der Fürst zu Leiningen in der Gerchsheimer und der Schönfelder Gemarkung Wälder besessen. Michael Müller, er war bei uns nur der Waldmichel, geboren 1882 und gelebt bis 1965, er war seit 1901 als Waldhüter bei der fürstlich-leiningischen Domänenverwaltung in Amorbach beschäftigt.

Ich weiß noch, als wir kleine Kinder waren und man damals den Waldmichel gesehen hat, wenn er nachmittags vom Wald nach Hause gelaufen ist, dann haben wir ihn immer gefragt: "Michel, was hast du denn heute alles gesehen?" Dann hat er uns Antwort gegeben und zum Beispiel gesagt: "Sieben Hasen, zwölf Rehe und eine Menge Wildschweine!" Ob es wahr war oder nicht - wir waren zufrieden, dass uns der Waldmichel seine Geschichten erzählt hat.

In den Nachkriegsjahren ist es öfter vorgekommen, dass Holz aus dem Leiningischen gestohlen worden ist, Leining'scher hat man in Gerchsheim zum Wald vom Fürst Leiningen gesagt. Einmal, als auch wieder Holz gestohlen wurde, haben die Holzdiebe eine Schrifttafel hinterlassen, auf welcher ein interessantes Sprüchlein stand: So ihr Leining'schen Lumpen, wir haben das Holz und ihr habt die Stumpen! Denn der Baum war in ungefähr einem Meter Höhe abgesägt worden. Der Waldmichel hat immer wieder ermittelt, aber der Holzdieb ist nie überführt worden.

1951 hat der Waldmichel eine Ehrung vom Präsidenten des Landbezikrs Baden erhalten. In der jungen Bundesrepublik ist er dann als erster Gerchsheimer mit dem Bundeverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

Text: Heinrich Müller und Lothar Amon

 

 

Initiative und Organisation:
Hans Slama, Langenelz, und Dr. Isabell Arnstein, Buchen