Samstag, 05.12.2020


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des Bezirksmuseums Buchen

Sonderausstellung "Kurz stillhalten, bitte!"

03.11.2020
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Portraitaufnahmen jüdischer Menschen von Karl Weiß

Die letzten Zeugen, die letzten Erinnerungen
 
Im Buchener Bezirksmuseum haben die Mitarbeiter des Arbeitskreises letzte Hand an an der Ausstellung „‘Kurz stillhalten, bitte!‘  Porträtaufnahmen jüdischer Menschen von Karl Weiß“ angelegt. 25 Porträt und Gruppenaufnahmen jüdischer Buchener aus den 1930er und 1930er Jahren geben einen Einblick in das christlich-jüdische Zusammenleben, bevor der Nationalsozialismus das jüdische Leben in Buchen auslöschte.
Die Ausstellung wurde anlässlich dem 80. Jahrestag der Deportation der badischen Juden nach Gurs und später in die Vernichtungslager des Ostens („Wagner-Bürckel-Aktion“) eröffnet. Angeregt wurde sie vom Bearbeiter des Weiß-Archivs im Bezirksmuseum, Rainer Handwerk. Die konzeptionelle Arbeit konnte der Verein Bezirksmuseum dank der finanziellen Unterstützung durch die Landeszentrale für politische Bildung an zwei Experten, die Judaistin Rebekka Denz (Bamberg) und den Frankfurter Historiker Tilmann Gempp-Friedrich, vergeben. Sie erarbeiteten sowohl die begleitenden Ausstellungstexte, als auch die zwei Hefte des Wartturms, in denen die Ergebnisse ihrer Untersuchungen festgehalten werden. Nach dem Corona-Lockdown des Museums hat der Arbeitskreis mit dem Vorsitzenden des Museumsvereins, Dr. Wolfgang Hauck, die Fertigstellung der Ausstellung übernommen.
Im Mittelpunkt von Ausstellung und Publikation stehen die ehemaligen jüdischen Gemeinschaften mit den hier lebenden Menschen in Buchen, Bödigheim, Eberstadt, Hainstadt, Walldürn und Eubigheim. Manchen der jüdischen Männer, Frauen und Kinder gelang die Flucht ins Ausland, andere wurden in der Shoah, der industriellen Massenvernichtung der europäischen Judenheiten, ermordet. Ihnen ist die Ausstellung nebst Publikation gewidmet.
Die abertausende Glasplatten, die Karl Weiß hinterlassen hat, sind dabei eine ideale Quelle, um in das Alltagsleben der ländlichen Kleinstadt in einem agrarisch geprägten Umfeld hineinzuschauen. Denn die Aufnahmen sind nicht nur Illustration, sondern ermöglichen  heute, das jüdisch-christliche Zusammenleben und das Leben der jüdischen Menschen im Altkreis Buchen überhaupt zu rekonstruieren. Manchmal liefern sie ein Detail, oftmals sind sie überhaupt erst Anlass nach dem Schicksal und dem Verbleib einer jüdischen Familie zu fragen und in den meisten Fällen sind sie die letzten Zeugen, die letzte Erinnerung.
„‘Kurz stillhalten, bitte!‘ Porträts jüdischer Menschen von Karl Weiß“ lautet auch der Titel der im Oktober 2020 erscheinenden Doppelausgabe des Wartturms, das  als Begleitheft für die  Ausstellung im Audienzsaal des Steinernen Baues konzipiert ist. Die in den 1920er und 1930er Jahren im Atelier Karl Weiß porträtierten jüdischen Menschen, ihre Geschichte und Geschichten, ihr Leben und das Zusammenleben werden thematisiert und kontextualisiert. Das Herzstück des zweiten Teils der Doppelausgabe bilden die Lebenserinnerungen von Albert Lester (ehemals Albrecht Levi), der 1927 in Buchen geboren wurde, die NS-Zeit dank eines Kindertransports nach England überlebte und heute in London lebt.

Die Begleitpublikation von Rebekka Denz und Tilmann Gempp-Friedrich  „Kurz stillhalten, bitte!“ Porträtaufnahmen jüdischer Menschen von Karl Weiß ist wegen des Umfangs auf die Ausgaben 3 und 4 der Zeitschrift „Der Wartturm“ verteilt (die gleichzeitig erscheinen). Für Interessenten sind sie zum Preis von 10 Euro bei der Verwaltung des Bezirksmuseum, im Online-Shop der Stadt Buchen sowie im örtlichen Buchhandel erhältlich.


Die Ausstellung „Kurz stillhalten, bitte!“ Porträtaufnahmen jüdischer Menschen wurde unterstützt /gefördert durch die Landeszentrale für politsche Bildung Baden-Württemberg (LpB).
 
 
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