Gut bedacht und gut beschützt

Vor 300 Jahren zerstörte ein verheerender Brand große Teile der Buchener Innenstadt, legte über 100 Gebäude, darunter das Rathaus, in Schutt und Asche und machte zahlreiche Bürgerfamilien zeitweise obdachlos. Unter dem Titel „gut bedacht und gut beschützt“ eröffnete das Bezirksmuseum Buchen in drei Räumen im Erdgeschoss des Trunzerhauses eine neue Dauerausstellung, in der die Museumsmitarbeiter die Stadtbrände der vergangenen Jahrhunderte, ihre Ursachen und ihre Konsequenzen, nämlich die Verwendung von Ziegeln statt Stroh als Dachbedeckung und die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr, zum Thema machen.

Im Zugang zur Brunnenstube des Trunzerhauses zeigt das Museum großformatige Bilder (Grisaillen) von Robert Frank mit den ehemaligen Buchener Brunnen als Motiven. Erinnert wird daran, dass verschmutzte Brunnen Auslöser der Cholera-Epidemie in den Kriegsjahren 1942/43 waren.
Am Eingang zur Brunnenstube macht die Skulptur des heiligen Florian – eine wertvolle holzgeschnitzte und fast lebensgroße Heiligenfigur aus dem Altbestand des Museums – auf die folgenden Informationen und Inszenierungen der Stadtbrände in der Brunnenstube aufmerksam. Hier haben die Museumsmitarbeiter drei Leder- und einen Stroheimer auf einen verkohlten Balken mit Mainzer Rad hin mit Licht und Geräuschen inszeniert, um die beschränkten Möglichkeiten der Bürger bei Bränden zu zeigen. Auf der gegenüberliegenden Seite werden die Großbrände in Buchen im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert thematisiert und mit einem lebensgroßen Cutout des Feuerwehrkommandanten August Wittemann an die Gründung und Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehr für die Stadt erinnert.
Der dritte Raum schließlich bietet Platz, die über 40 „Feierabendziegel“ des Museums angemessen zu präsentieren. „Harte“ Dachbedeckung war nach dem Großen Stadtbrand von 1717 vorgeschrieben. In Buchen wurde damals eine Ziegelhütte eingerichtet und an Ziegler verpachtet. Diese Handwerker beschränkten sich häufig nicht nur darauf, einfache Dachziegel in Biberschwanzform herzustellen, sondern gestalteten Ziegel auch mit graphischen Motiven, einfachen bildlichen Darstellungen oder Text. Das Bezirksmuseum besitzt einige besonders schöne und ausducksvoll gestaltete Ziegel, die religiöse Motive, Schaden abwehrende Bildmotive (vor allem Sonnen), Sinnsprüche, aber auch Angaben zur Herstellung (Produktionsjahr, Name des Zieglers oder des Abnehmers) tragen – sie können nun erstmals in einer Dauerausstellung gezeigt werden.
Dazu wird die Herstellung von Ziegeln allgemein demonstriert und es gibt weitere Informationen, unter anderem zur Buchener Ziegelhütte.

@ Jürgen Strein

  •